(Teil 1)Lauterbachs katastrophale Krankenhausreform – Auch für Elbe-Elbe der Weg in eine verheerende Gesundheitsunterversorgung des ländlichen Raumes

Wie die zweifelhafte Lauterbach„Revolution“ im Zweifelsfall die Gesundheitsversorgung von Elbe-Elster und anderen ländlichen Gebieten völlig ruinieren könnte.

Als Abgeordneter des Kreistages Elbe-Elster war ich am 13. März dieses Jahres sehr überrascht, als man uns im Nichtöffentlichen Teil der Sitzung des Kreistages Elbe-Elster über eine Studie und ein Planungskonzept einer Beraterfirma „Oberender“ mit dem Titel: „Notwendigkeit einer Transformation der Krankenhauslandschaft im Elbe-Elster Kreis“ informierte. 

Eine Studie, welche vielleicht über die Zukunft unserer Krankenhausgesellschaft: „Klinikum Elbe-Elster“ entscheiden wird. 

Verwundert hat es nicht nur mich, wie kurz nach der Verkündung von Karl Lauterbachs „Revolution im Gesundheitswesen“ der Landkreis eine Studie und ein Konzept parat hatte, wie diese Pläne für unsere drei Krankenhausstandorte Elsterwerda, Finsterwalde und Herzberg, an dem unser Landkreis als Mitgesellschafter beteiligt ist, umzusetzen wären.

Lauterbach, der „Gesundheitsminister der Eigenmächtigkeiten“, verkündete mit seiner „Revolution“ nun das Ende der sogenannten „Discounter-Medizin“, für die er selbst mitverantwortlich war.

Angeblich soll nun nicht mehr der „billigste“, sondern der „beste“ Anbieter in Zukunft die staatlichen Zuschläge erhalten. So die Lauterbachsche Theorie.

Lauterbach philosophierte in der Pressekonferenz zu seiner „Revolution im Krankenhauswesen“ darüber, was das Problem der bisherigen Praxis ist und warum unsere Krankenhausstruktur „marode“ ist:

Zitat:

Die Krankenhäuser können derzeit nur das Budget erhöhen, indem sie mehr Fälle behandelten.

Das gibt einen starken Anreiz immer mehr Fälle zu behandeln.

Diese Fälle werden aber dann zur kostenkontrolle schlechter bezahlt.

Somit kommen die Krankenhäuser durch dieses System in ein Hamsterrad.

Sie müssen also immer so billig wie möglich behandeln und so viel wie möglich.

Das ist eine Art der Ökonomie die es in dieser Art in Europa nicht ein zweites mal gibt.

Das Problem ist halt mindestens 10 Jahren bekannt und es ist bisher nie grundsätzlich also angegangen worden…“

Bundespressekonferenz zu den Reformplänen Lauterbachs vom 06.12.22, ausgestrahlt auf Phönix/ am Ende des Artikels das Video

Lauterbach selbst war damals einer der Hauptverantwortlichen

Lauterbach selbst hatte die damalige verheerende Reform der Krankenhausstrukturen hin zum „Diagnoseorientierten Bezahlsystems DRG“ vor zwanzig Jahren, auch Fallpauschalen-System genannt, mitbeschlossen.

Auch diese sollte damals für Einsparungen sorgen, führte aber ausschließlich dazu, dass man aus einem funktionierenden Gesundheitssystem einen gewinnorientierten Wirtschaftszweig machen wollte, mit verheerendem Resultat.

Dieses antisoziale Reform haben wir Lauterbach maßgeblich mitzuverdanken.

Sie führte zu einem Ausverkauf des Gesundheitssystems und hatte die heutigen desolaten Zustände der Krankenhäuser erst zur Folge.

Binnen weniger Jahre hat uns dies gutes Personal und gute medizinische Versorgung gekostet.

Anstatt aber zeitnah gegenzusteuern, ließ man es sehenden Auges immer weiter auf die sprichwörtlichen Klippen zu rollen.

Es wäre witzig, wenn es nicht traurige Realität wäre, dass eben jene Politiker, wie Karl Lauterbach, die unser Gesundheitswesen in solch eine desolate Lage gebracht haben, sich nun als Retter aufspielen.

Lauterbach – einer der Konstrukteure des „Fallpauschalen- Systems“ vor etwa 20 Jahren

Lauterbach, was viele nicht wissen und so mancher heute auch nicht hören will, war selbst einer der Konstrukteure des Fallpauschalensystems und der zügellosen Umfunktionierung des Krankenhauswesens zu einem (wahrscheinlich nur für Lobbyisten) „profitablen“ Wirtschaftszweiges und somit auch direkt verantwortlich für die heutige, teils maroden Struktur der Krankenhäuser in Deutschland. 


Mit der neuen „Reform“ wird unsere medizinische Versorgung immer prekärer – nicht ausschließlich aber gerade in ländlichen Gebieten

Übernachtung zu Haus nach medizinischen Eingriffen – Statt vollstationärer Aufnahme

Geplant ist zum Beispiel schon ab diesem Jahr, dass jede vierte Behandlung oder Eingriff, der heute eine vollstationäre Aufnahme erfordern, nur noch ambulant und „mit Übernachtung zu Haus “ für den Patienten erfolgen.

„Dies würde, nach den wirren Ansichten Lauterbachs das Problem der Nachtdienste für das Pflegepersonal lösen…“

Und jetzt gut festhalten…

Diese ambulanten Eingriffe dürfen sich dabei auch über „MEHRERE TAGE ERSTRECKEN“, wobei auch mehrere Pausen, von maximal 2 Tagen am Stück erlaubt sein würden.

Eine unheimliche Belastung für jeden Patienten und es spottet jeglicher Beschreibung.


Solche unsensiblen Unsinnigkeiten sind scheinbar Lauterbachs Domizil.

2007 konnten die Abgeordneten des Bundestages gerade noch ein Gesetz verhindern, das die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) durchdrücken wollte. 

Das unsoziale „Gesundheitswirtschaftlichkeitsgesetz“ 

Krebspatienten sollten zahlen

Es sollten Patienten bei einer Krebserkrankung mit einer „Zuzahlung von zwei Prozent ihres Jahreseinkommens“ bestrafen, wenn sie keine Früherkennungsuntersuchung nachweisen konnten.

Lauterbach war 2004 Schmidts wichtigster Berater. Dieser Lobbyist durfte wohl auch damals der Konstrukteur dieses Gesetzes gewesen sein.

Der Spiegel nannte ihn 2004 den „Einflüsterer“ von Ulla Schmidt und „ganz nah dran an der Macht“.

Als dieses Gesetz nicht durchkam, ließ Lauterbach grimmig und enttäuscht verlautbaren, dass diese „Vorsorgepflicht“ pro Jahr Zehntausende von Krebsfällen hätte verhindern können.

Lauterbach plädierte auch damals schon für Zwang und Strafe…

So haben wir Lauterbach ja während der Pandemie auch erleben müssen.

Als einen Diffamierer und einen machtbesessen Pharma-Lobbyisten, dessen Eigenmächtigkeiten nicht nur den Staat teuer stehen kommt, sondern auch die Gesellschaft spaltet.


Dem Ländlichen Raum, wie Elbe-Elster droht Unterversorgung

Nun sollen nicht mehr hohe Fallzahlen, sondern Qualität und Angemessenheit in Zukunft die Krankenhausfinanzierungen leiten, so Lauterbach mit großen Worten.

Doch was so vollmundig klingt, wird vielen Krankenhäusern, gerade im ländlichen Raum das Genick brechen.

Einstufung in das sogenannte 3 Level-System für manche Krankenhäuser eine Art Abstellgleis werden.

Krankenhäuser, wie Elsterwerda oder Finsterwalde, vielleicht sogar Herzberg die heute noch eine relativ gute Grundversorgung und Notfallversorgung anbieten können, könnten bald auf dem obligatorischen Abstellgleis landen.

Die Krankenhäuser werden nach der neuen Reform in Level von römisch „I“ bis römisch „III“ eingestuft.

Level I = Niedrigstes Level

Die Analyse der Firma Oberender AG ergab, dass alle drei Standorte nicht den Standard von Level III und ebenso wenig das Level II erreichen könnten, wenn nicht gegengesteuert würde.

„Das aktuelle Versorgungsangebot an allen drei Standorten entspricht nur teilweise den Bedarfen der Region“, heißt es im Papier.

Es fehlt die geriatrische- und notfallmedizinische Versorgung.

Nach der neuen „Reform“ dürfen dann wesentliche Leistungen garnicht mehr angeboten werden, wenn die darin definierten Strukturen nicht bald erfüllt werden. 

Medizinische Angebote, wie:

  • Notfallversorgung,
  • Femurfrakturen
  • Herzinfarkte und
  • Schlaganfälle

dürften dann nicht mehr an den Standorten behandelt werden.

Das bedeutet, dass Krankenhäuser, die nach der kommenden Gesetzgebung nicht mehr dem neuen Standard genügen auf das unterste Level gesetzt werden oder sogar gar keinem Level zugeordnet werden.

Medizinische Versorgung auf dem Abstellgleis

Level „I i“ ist dann mehr oder weniger nur noch ein Gesundheitszentrum, das nicht einmal mehr von ärztlichem Fachpersonal, sondern auch von (und das soll keine Herabwürdigung der Pflege sein) examinierten Pflegekräften geleitet werden muss.

Der Volksmund würde auch sagen, eine bessere Aufbewahrungsanstalt oder ein Bettenhaus für ambulante Medizin.

Es hätte also nichts mehr mit dem Gesundheitssystem zu tun, das wir heute kennen.

Da ebenfalls eine neue Vergütungsstruktur an diese Reform und somit die Leveleinstufungen der Standorte geknüpft sein wird, ist eine massive Fachkräftemigration zu befürchten.

Vier Szenarien hat Firma Oberender ins Spiel gebracht, wobei nur eine einzige als realisierungswürdig erachtet wurde.

Oberender skizzierte vier Szenarien für die zukünftige Entwicklung des Elbe-Elster Klinikums

Szenario 1 – Unveränderte Fortschreibung des Status quo 

Hier würden alle drei Standorte, unverändert, mit allen Fachabteilungen an den aktuellen Standorten verbleiben – es würden keine weiteren Veränderungen vorgenommen werden.

Laut Oberender würde hier schon 2024 ein Defizit von etwa 10 – 12 Mio. Euro entstehen – Tendenz steigend

Szenario 2 – Akutversorgung an zwei bestehenden Standorten (wurde nicht näher beleuchtet)

Hier würden 2 Standorte die Akutversorgung übernehmen und hätten, laut Oberender Glück, wenn ihnen ein „Level I n“ oder Level „I i“ vergeben wird. 

Der 3. Standort wäre nur noch eine Art Gesundheitszentrum mit hausärztl. und mit Glück fachärztlicher ambulanter Versorgung (nach meinem Verständnis einem heutigen MVZ gleichzustellen).

Dieser Standort dürfte dann allerdings keinerlei Akutversorgung mehr anbieten.

Das Abstellgleis so zu sagen.

Szenario 4 – Modernisierung & Erweiterung eines bestehenden Standortes (wurde nicht näher beleuchtet)

Hier wäre der Erhalt aller drei Standorte im Vordergrund, die Konzentration der Akutversorgung wäre einem der 3 Standorte vorbehalten.

Das favorisierte Szenario 3 – Bau eines 4. Krankenhauses in Elbe-Elster

Dieses Szenario habe ich hier an den Schluss gestellt, da dies den Neubau einer Klinik mit dem Level II Status an einem zentral gelegenen 4. Standort begünstigt und wir es näher beleuchten wollen.

Szenario 3 – Neubau einer Klinik an einem zentralen Ort (der absolute Favorit von Oberender)

Szenario 3 ist jenes, das Landrat, Oberender und die Geschäftsführung des Klinikums als die beste Option erachten würden. 

Neubau eines 4. zentraleren Standortes (wahrscheinlich im Umkreis von Doberlug-Kirchhain), dafür werden die anderen 3 Standorte herabgestuft.

Der Landrat hat schließlich dafür auch schon im Ministerium des Landes Brandenburg die Trommel gerührt, wie man es auch der Berichterstattung der Lokalmedien vernehmen konnte.

Die Grünen-Gesundheitsministerin Nonnenmacher hat wohl in diesem Zusammenhang den vorzeitigen Einsatz des Landkreises, noch vor der Reform gelobt und man hatte die Idee eines Krankenhausneubaues wohlwollend aufgenommen.

Die Staatskassen sind aber leer, die Staatsverschuldung Deutschlands liegt derzeit bei 2.37 Billionen Euro, so hoch wie nie zuvor in der Geschichte der BRD

Und wo Grün mitregiert ist über kurz oder lang eine Staatspleite vorprogrammiert

Doch die Euphorie ist mittlerweile groß und liest man die Regionalpresse, so könnte man meinen, dass der Landkreis Elbe-Elster das Projekt schon in trockenen Tüchern wähnt.

Die Krux an dieser Sache ist nur, dass die Kosten eines Neubaus jetzt schon auf etwa 150 Mio. Euro geschätzt werden, Tendenz natürlich steigend, das weiß jeder, der derzeit mit baulichen Maßnahmen zu tun hat. 

Das Land hat natürlich am Ende das große Sagen, da es ja auch den größten Teil dieser Finanzierung übernehmen müsste und da sich Projekte der öffentlichen Hand nie im kurzen Zeitrahmen realisieren lassen, steht in den Sternen.

Auch steht in den Sternen, ob am Ende ein solcher Neubau tatsächlich zustande kommen würde, angesichts der prekären Finanzlage in Bund und Ländern, durch die Pandemie, die stetig steigende Inflation, die massiven steigenden Kosten der neuen Flüchlingswelle…

Und diese Finanzlage wird sich in den kommenden Jahren nicht verbessern.

Brandenburg besteht nun einmal nicht nur aus dem Landkreis Elbe-Elster.

Wir haben 14 Landkreise und 4 kreisfreie Städte in Brandenburg und laut dem Krankenhausplan von Brandenburg gibt es 54 Krankenhäuser an 66 Standorten und jeder Landkreis wird bestrebt sein, seine Krankenhausstandorte auch zu erhalten, was dem Land, sollte es zur Durchsetzung der Lauterbach-Reform kommen, wahrscheinlich nicht nur Millionen, sondern vielleicht Milliarden kosten wird.

Quelle: Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

Es ist also ein Lotteriespiel für unsere Menschen, nicht nur in unserem Landkreis.

Wir können also nur hoffen, so wie der Lotterie-Dauerspieler jede Woche auf die richtigen Zahlen hofft. 

Lest weiter in Teil 2: https://www.matzelentzsch.blog/2023/05/16/teil-2lauterbachs-katastrophale-krankenhausreform-auch-fuer-elbe-elbe-der-weg-in-eine-verheerende-gesundheitsunterversorgung-des-laendlichen-raumes/

Euer Matze Lentzsch


Zum selbst überzeugen – Hier nochmal die Aufzeichnung der Pressekonferenz

Bundespressekonferenz zur Reformplänen von Lauterbach am 06.12.22/
Quelle: Phönix

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